Luft-Wasser oder Erdwärme: Welche Wärmepumpe passt zu Ihrem Haus?
Die eine holt Wärme aus der Außenluft, die andere aus dem Boden unter dem Garten. Der Unterschied zeigt sich am kältesten Tag des Jahres.

Beide Systeme holen Wärme von außen in Ihr Heizungswasser. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe entzieht sie der Außenluft, eine Sole-Wasser-Wärmepumpe (Erdwärme) dem Erdreich oder Gestein unter Ihrem Garten. Weil der Boden in der Tiefe in Mitteleuropa das ganze Jahr über bei etwa 8 bis 12 °C liegt, arbeitet eine Erdwärmepumpe an kalten Tagen unter günstigeren Bedingungen und erreicht meist eine höhere Jahresarbeitszahl. In der Installation ist sie allerdings deutlich teurer. Welche die richtige ist, hängt von Ihrem Grundstück, Ihrem Budget und davon ab, wie kalt Ihre Winter werden.
Effizienz: SCOP und Praxis
Die saisonale Leistungszahl (SCOP) gibt an, wie viele Einheiten Wärme eine Wärmepumpe über eine Heizperiode je Einheit Strom liefert. Gut geplante Luft-Wasser-Anlagen erreichen in gemäßigtem Klima in der Praxis typischerweise 3 bis 4, Erdwärmeanlagen 4 bis 5. An frostigen Tagen wächst der Abstand, denn die Außenluft ist genau dann am kältesten, wenn Sie die meiste Wärme brauchen. Feldmessungen zeigen immer wieder, dass die Auslegung des Heizsystems, vor allem die Vorlauftemperatur, das Ergebnis ebenso stark beeinflusst wie die Wärmequelle.
Erdwärme: Erdsonden oder Flächenkollektoren
- Senkrechte Erdsonden: eine oder mehrere Bohrungen, typischerweise 50 bis 150 Meter tief, mit einem geschlossenen Rohrkreislauf. Sie brauchen wenig Fläche, aber ein Bohrgerät muss den Garten erreichen können. In Deutschland fallen Bohrungen von mehr als 100 Metern Tiefe zudem unter das Bergrecht.
- Waagerechte Flächenkollektoren: Rohrschleifen, die in etwa 1,2 bis 1,5 Metern Tiefe auf einer großen Fläche verlegt werden, oft dem Ein- bis Zweifachen der beheizten Wohnfläche. Günstiger als eine Bohrung, doch der Garten wird aufgegraben, und die Fläche darf später nicht überbaut werden.
- Genehmigungen: Erdwärmeanlagen brauchen in der Regel eine Erlaubnis der örtlichen Wasserbehörde, und in manchen Gebieten sind Bohrungen zum Schutz des Grundwassers ausgeschlossen.
Luft-Wasser: einfacher, aber achten Sie auf den Schall
Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe braucht ein Außengerät und wenige Quadratmeter Platz. Die Installation ist schneller und günstiger, deshalb ist sie bei Neubauten wie bei Sanierungen die häufigste Wahl. Ventilator und Verdichter erzeugen Geräusche, daher kommt es auf die Aufstellung an: weg von Schlafzimmerfenstern und Nachbarn, nicht in einer Ecke, die den Schall zurückwirft. In Deutschland liegen die nächtlichen Grenzwerte der TA Lärm am Fenster des Nachbarn in reinen Wohngebieten bei nur 35 dB(A), und die Hersteller veröffentlichen Schallleistungspegel, mit denen Sie planen können.
Die Kosten im Verhältnis
Bohrung oder Kollektoren machen oft einen großen Teil eines Erdwärmeprojekts aus, deshalb kostet die Anlage typischerweise spürbar mehr als eine Luft-Wasser-Wärmepumpe gleicher Leistung. Die höhere Effizienz senkt die Betriebskosten, doch bis sich die Mehrinvestition amortisiert, können viele Jahre vergehen. Förderprogramme in mehreren Ländern, auch in Deutschland, haben zeitweise einen Bonus für Erdreich und Wasser als Wärmequelle oder für natürliche Kältemittel gezahlt; prüfen Sie die aktuellen Regeln, bevor Sie unterschreiben.
Welches System passt zu Ihrem Haus?
- Luft-Wasser passt zu den meisten Häusern mit niedriger bis mittlerer Vorlauftemperatur, eingeschränktem Zugang zum Garten oder knappem Budget.
- Erdwärme passt zu größeren Häusern mit hohem Wärmebedarf, zu Grundstücken, die ein Bohrgerät erreichen kann, zu kalten Lagen und zu Eigentümern, die im Sommer über den Erdkreislauf auch passiv kühlen möchten.
Mit unserem Wärmepumpen-Kostenrechner können Sie beide Systeme bei unterschiedlichen Vorlauftemperaturen vergleichen.
Fragen und Antworten
Ist eine Erdwärmepumpe effizienter als eine Luftwärmepumpe?
Meist ja. Erdwärmeanlagen erreichen typischerweise eine Jahresarbeitszahl von 4 bis 5, Luft-Wasser-Anlagen 3 bis 4, weil der Boden wärmer ist als die Winterluft.
Wie tief ist eine Erdsonde für eine Wärmepumpe?
Für ein Einfamilienhaus reichen Erdsonden typischerweise 50 bis 150 Meter tief, je nach Wärmebedarf und Geologie. Mehrere flachere Bohrungen können eine tiefe ersetzen.
Verfasst von der Redaktion sunaliv. Die Zahlen sind typische Spannen für Mitteleuropa, sofern nicht anders angegeben, und geben den Wissensstand von Oktober 2026 wieder. Fehler entdeckt? Schreiben Sie an info@nextao.de, wir korrigieren ihn offen.


